16. November 2017

Zum Tode von Françoise Héritier



Françoise Héritier - Das ist das Leben!

Ein kleines, dünnes Büchlein liegt vor mir. Die Autorin ist Françoise Héritier, geboren 1933 und
Sozialanthropologin am Collège de France. Sie beschäftigte sich mit der Rolle der Frau in verschiedenen Gesellschaften und veröffentlichte diverse Bücher. Gestern starb sie im Alter von 84 Jahren.

Was sie in Ihrem Büchlein beschreibt, lässt uns allerdings nicht gar so traurig auf ihren Tod blicken. Die aneinandergereihten Erinnerungen, Begegnungen, Gefühle, Gerüche, Erlebnisse, die sie niedergeschrieben hat, lassen auf ein erfülltes Leben schließen. Auf ein Leben voller Besonderheiten, aber vor allem voller alltäglicher Kleinigkeiten. Viele Dinge kennt der Leser aus seinem eigenen Leben, andere – wo die Autorin z.B. mit berühmten Persönlichkeiten zusammentraf – nicht und doch vermitteln die Sätze in ihrer Gesamtheit ein Bild der Autorin, das den Leser mitempfinden lässt und die Schönheit der Banalitäten des Lebens erkennen lässt. C’est la vie!















Albrecht Knaus Verlag
112 Seiten
ISBN-13: 978-3813505276
Das Buch wurde mir freundlicherweise von der Verlagsgruppe Random House GmbH zur Verfügung gestellt.


Ein Kommissar ohnegleichen



Leif GW Persson: Der glückliche Lügner – Die Bäckström-Serie

Nach einigen sonderbaren Fällen, in denen alte Frauen, Tiere und Homosexuelle die Hauptrolle spielen, geht es für Kommissar Evert Bäckström endlich wieder bergauf: Der Anwalt Thomas Eriksson, der erst kürzlich einen Mann vor Gericht vertrat, der es auf Bäckström abgesehen hatte, wird tot in seiner Villa aufgefunden. Ausgleichende Gerechtigkeit denkt sich der Kommissar und ermittelt mit großer Schadenfreude.

Es sollte einer der besten Tage im Leben des Kommissars Evert Bäckström werden, als der berühmte Anwalt Thomas Eriksson mit eingeschlagenem Schädel in seiner Villa gefunden wird. Bäckström, der selbst noch ein Hühnchen mit dem Anwalt zu rupfen hatte, wird zum Ermittlungsleiter gemacht und sieht sich direkt mit diversen Schwierigkeiten konfrontiert. Die größte besteht aus seinem Ermittlerteam, ein fauler und minderbemittelter Haufen von dem am allerschlimmsten seine Stellvertreterin Annika Carlsson ist, so sieht es jedenfalls Bäckström. Deshalb überlässt er ihr gerne die meisten Ermittlungsaufgaben und zieht es vor, sich auf ausgiebige Mahlzeiten und Mittagsschläfchen zu konzentrieren. Bald werden im Mordfall Verbindungen zum Rockermilieu und anderen Schwergewichten aus der Verbrecherszene deutlich, was Kommissar Bäckström aber nicht überrascht - schließlich waren dies die Bevorzugten Klienten des Ermordeten. Während das Ermittlerteam fleißig neue Erkenntnisse zu Tage fördert, verlässt sich der Kommissar auf seine weit verzweigten Kontakte aus allen Bereichen, um sich dem wahren Kern des Mordes zu nähern: der Kunst. Dass am Ende dann doch alles ganz anders war, als zu Beginn gedacht, erfreut am meisten den Kommissar.

Obwohl der Mordfall wirklich spannend ist und vom Autor geschickt gestrickt wurde, ist der eigentliche Star des Buches Kommissar Evert Bäckström. Mittelalt, dick und wenig gebildet ist der Kommissar, doch sein Ego könnte nicht größer sein. Besonders stolz ist er auf seine „Supersalami“, die sämtliche Frauen um den Verstand bringt. In seinen inneren Monologen wird fast jeder mit Schimpfwörtern bedacht, außer es sind Frauen mit entsprechenden körperlichen Reizen. Seine tägliche Routine besteht aus schlafen, essen und Sex und von dieser lässt er sich durch seine Arbeit nur ungern abbringen. Dass er es trotzdem schafft Fälle zu lösen, liegt vor allem an seinen guten Kontakten, die er im Laufe der Zeit durch das „Eine-Hand-wäscht-die-Andere“-Prinzip generieren konnte. Ein politisch unkorrekter, sexistischer, eingebildeter und verfressener Kommissar sollte es eigentlich schwer haben beim Leser auf Sympathie zu stoßen, doch es war genau das, was ich für Kommissar Evert Bäckström empfunden habe. Es ist sogar so weit damit, dass ich ihn zu meinem neuen Lieblingskommissar erkoren habe. Selten hat mich ein Krimi so erfreut wie dieser.

btb-Verlag
1. Auflage 2017
653 Seiten

10. Juli 2017

Sophie Bonnet: Provenzalisches Feuer




Rezension zu Sophie Bonnet: Provenzalisches Feuer

Der Sommer hält Einzug in Sainte-Valérie und das feiert das ganze Dorf mit einem traditionellen Fest. Doch ganz so traditionell, wie es sich die Dorfebwohner wünschen, wird es nicht, denn der Bürgermeister macht ein Touristenevent daraus: mit Reisebussen voller Menschen und dem Auftritt der gefeierten Rockband Viva Occitània. Obwohl Kommissar Durand als Sicherheitsbeauftragter fungiert, wird vor der Bühne auf der die Rockband gerade spielt, ein Journalist erstochen. Der Journalist, der einen Tag zuvor Durand noch nach seinem Vorgänger gefagt hatte, den er dringlichst treffen wollte. Die erste Spur führt in die Vergangenheit zu einem Schriftsteller, der einen fulminaten Roman über Sainte-Valérie schreiben wollte. Ganz zum Missfallen der alten Dorfbewohner, die froh sind als der Schriftsteller damals anscheinend Selbstmord begeht. Doch auch die Hüter der aussterbenden Sprache „Okzitanisch“ gehören zum Kreis der Verdächtigen und Durands Assistent sieht die Lösung des Falls in den Mythen der alten Provence.

Der vierte Fall von Kommissar Durand ist ein ewiges Hin und Her. Allerdings im positiven Sinne. Denn glaubte man noch die eine Spur als vielversprechend und richtig, zeigt sich schon bald: dem ist nicht so. Diese Abwechslung macht den Roman besonders spannend. Die historischen Einflechtungen bezüglich der „okzitanischen Sprache“ sind zudem sehr interessant. Und auch die provençalische Stimmung kommt nicht zu kurz, die Beschreibung von Landschaft, Wetter und Essen lässt den Leser automatisch von einem Urlaub dort träumen. Auch wenn man dann lieber keinen Mordfall in seinem Urlaubsort haben möchte.

320 Seiten
ISBN: 978-3-7645-0613-1
€ 14,99 [D]
Verlag: Blanvalet
Das Buch wurde mir vom Verlag freundlicherweise zur Verfügung gestellt.











11. April 2017

Einfach vegetarisch



Rezension zu „Vegetarisch für Einsteiger“ von Diane Dittmer

 


Da ich schon seit einiger Zeit nur noch vegetarisch koche und seit letztem Herbst auch versuche nur noch vegetarisch zu essen, bin ich immer auf der Suche nach vegetarischen Rezepten, die schnell gehen und nicht viele Zutaten benötigen. Genau das bietet das Kochbuch „Vegetarisch für Einsteiger“ von Diane Dittmer.

Zu Beginn des Buches werden die Grundlagen der vegetarischen Küche erklärt und auch Themen wie Vorratshaltung und Küchenausstattung angesprochen. Danach ist das Buch in bekannte Rubriken aufgeteilt: S
nacks & Brotaufstriche, Blitzrezepte, Suppen & Eintöpfe, Aufläufe & Gratins, Pasta, Reis & Co, Süße Verführungen. Am Ende des Buches findet sich dann noch das obligatorische Rezeptregister. Direkt ausprobiert habe ich den Linsen-Spinat-Eintopf, der so lecker war, dass mir erst nach dem Essen aufgefallen ist, dass ich vergessen hatte, ein Foto von dem Gericht zu machen. Da das Buch aber zu jedem Rezept (wenn auch nicht immer auf der gleichen Seite) auch ein schönes Foto bereithält, ist das nicht ganz so schlimm.

Insgesamt lässt sich sagen, dass das Buch für Anfänger sehr zu empfehlen ist. Wer schon etwas mehr vegetarische Kocherfahrung hat, wird sich vielleicht etwas unterfordert fühlen beim Kochen. Aber wie auch immer – schmecken wird es jedem!

Bassermann Verlag
ISBN: 978-3809435167